Wie jedes Netzwerk sind auch die sozialen unterschiedlich organisiert.

Zentrale und dezentrale soziale Netze

Zentral

In zentral eingerichteten sozialen Netzwerken befinden sich alle Nachrichten und Medien in einer Hand. In einem zentralen Netzwerk kontrolliert ein Anbieter die Software und die Server. Dies ermöglicht es dem Anbieter, seine Regeln anzuwenden. Er nimmt Einfluss auf Inhalte und Prozesse. Bewusst oder unbewusst!

Dezentral

Ein Beispiel: das Fediverse

Der Begriff Fediverse [^de.wikipedia.org/wiki/Fediverse] setzt sich zusammen aus Federated Universe und steht für ein dezentrales Netzwerk. Jeder kann mit anderen kommunizieren. Ich erreiche die Menschen in jeder Fediverse Instanz. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie bei meinem Provider sind oder bei jemand anderem. Der Einfluss des Administrators beschränkt sich auf die Vereinfachung des Zugangs zu den Inhalten durch die Konfiguration von Relay-Servern und Föderationsregeln. Trotzdem ist jeder selbst verantwortlich für das was er liest und teilt und entscheidet selbst.

Ich versuche einen Vergleich mit dem Straßennetz. Egal, ob ich über eine Autobahn, eine private Mautstraße oder eine Bundesstraße ins Netz einsteige: Viele Wege führen nach Rom. Man ist nicht auf eine Route angewiesen. Es gibt mehrere Optionen/Instanzen und ich wähle aus. Wenn ich in einer kleinen Stadt an einer Gemeindestraße wohne, komme ich über diese Zufahrt hinein. Sie wird durch Steuern finanziert. In einer bergigen Region, in der es nur mautpflichtige Straßen gibt, gelten andere Regeln.

Das Fediversum - sachlich und emotional

sachliche Gesichtspunkte

Das Fediverse kann nicht einem oder wenigen Menschen zugeschrieben werden, sondern allen Menschen. Die Angebote, die ich kenne, sind ausschließlich Open Source. Jeder hat die Möglichkeit, den Code der Software einzusehen, sie zu nutzen oder mitzugestalten. Es gibt also nicht nur einen Link zu einem Dienst im Fediverse, so wie es nur einen Link zu Twitter[^de.wikipedia.org/wiki/Twitter] gibt. Stattdessen gibt es unzählige Instanzen, die über das Internet miteinander verbunden sind: Es ist ein großes, dezentralisiertes Netzwerk.

Das von anderen Plattformen bekannte Geschäftsmodell, bei dem mit Daten und Werbung Geld verdient wird, gibt es bei Fediverse nicht. Jede Instanz entscheidet selbst, wie sie sich finanziert. Zum Beispiel durch Crowdfunding, öffentliche Mittel, Spenden oder einen Nutzungsbeitrag. Aufgrund der dezentralen Ausrichtung sind Werbung und Daten nicht lukrativ. Da die Gewinnerzielung nicht im Vordergrund steht und die Arbeit meist ehrenamtlich geleistet wird, wird weniger Geld benötigt. So ist es möglich, einen Raum mit freundlichen Bedingungen für Vernetzung und Austausch zu schaffen.

Wenn ich mir anschaue, wie das Fediverse im Vergleich zu den zentralen Plattformen funktioniert, komme ich zu dem Schluss, dass ersteres eindeutig das bessere Modell ist.

emotionale Gedanken

Vor ein paar Jahren habe ich aus Neugierde einen Blick auf das Fediverse geworfen. Erst seit kurzer Zeit bin ich dort aktiv und teile hier meinen ersten Eindruck. Bis jetzt habe ich soziale Netzwerke im Internet gemieden. Das hat sich im Februar 2022 geändert. Immer öfter lese ich in den Nachrichten, dass Berichte aus der Ukraine nicht unabhängig überprüfbar sind. In den letzten Jahren hatte ich in Open-Source-Projekten Kontakt zu Programmierern, die in der Ukraine leben. Ich war an ihrem Schicksal interessiert und habe deshalb die Beiträge in sozialen Netzen gelesen. Ich kenne die Menschen nicht persönlich, aber ich fühlte mich durch die frühere digitale Kommunikation mit ihnen verbunden und ich vertraute den Beiträgen dieser Menschen. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass ein Austausch über soziale Netzwerke in der heutigen Zeit wichtig ist.

In der zentralisierten Form fühlte ich mich weiterhin unwohl. Deshalb habe ich für mich die dezentrale Variante gewählt.

Was hat mich überzeugt?

Die Diskussionskultur im Fediverse ist anders: Sie ist interessierter und konstruktiver. Wenn man etwas mitteilt, in dem ein Fehler steckt, wird man korrigiert und nicht belächelt oder beschimpft. Meiner Meinung nach liegt das daran, dass die Struktur des Netzwerks anders ist. Streitigkeiten kommen vor - aber die Mechanismen im Fediverse sorgen dafür, dass sie nicht ausarten.

Es gibt eine gemeinsame Verantwortung für den Online-Raum. Ähnlich wie bei Barcamps wie dem JoomlaCamp[^joomlacamp.de/]. Man gestaltet gemeinsam einen Tag, der für alle gewinnbringend ist. Es ist absurd, sich am Ende zu beschweren. Jeder hat es selbst in der Hand. Jeder hat die Möglichkeit, den gemeinsamen Online-Raum mitzugestalten: Neulinge unterstützen, Dinge teilen, Verbesserungsvorschläge machen, Fehler melden, sogar auf Github mit programmieren.

Ich erlebe das Fediverse als facettenreich. Ich denke, das liegt daran, dass ich für das, was mir präsentiert wird, verantwortlich bin und nicht ein fremder Algorithmus. So kommt es öfter vor, dass ich auf neue und andere Sichtweisen stoße.

Ich bin gespannt, ob sich das Fediverse in der Gesellschaft durchsetzen wird. Ob es gelingt, mehr zu demokratisieren. Ich denke, es ist wie mit dem Einkaufen in einem Bioladen oder einem Discounter. Man verändert nicht die ganze Welt, nur einen kleinen Teil davon.

Ein Dienst im Fediversum: Mastodon

Mastodon ist eine Software im Fediversum, die dem beliebten zentralen Anbieter Twitter ähnelt. Einige Dinge werden anders genannt. Anstatt zu twittern, wird getrötet. Ansonsten gibt es viele Ähnlichkeiten: zum Beispiel Hashtags, Teilen, Liken, Follower und Kurznachrichten.

Was es nicht gibt: Es gibt nicht den einen Mastodon-Anbieter. Das ist ähnlich wie bei anderer Open-Source-Software: Es gibt nicht ein Joomla, sondern viele Installationen von Joomla auf verschiedenen Servern, die von verschiedenen Leuten verwaltet werden. Normalerweise entdeckt man als erstes eine der großen Mastodon-Instanzen. Im Sinne der Dezentralisierung ist es sinnvoller, den Anbieter sorgfältig auszuwählen.

Eine Übersicht über die möglichen Instanzen gibt es unter instances.social[^instances.social].

Wer nach mir sucht, findet mich unter https://fimidi.com/@astrid als @astrid@fimidi.com.